Kirche

Hinweis: Historische und aktuelle Bilder zur Komptendorfer Kirche sind zu finden im rechten Menüpunkt unter „1A Links“ bzw. „K’dorf @ Flickr“.

Daten

Evangelischer Kirchenkreis Cottbus

Pfarrer Helmut Huppatz

Dorfstraße 25
03058 Neuhausen/Spree – OT Komptendorf
Telefon: 03 56 05/2 39

689 Gemeindeglieder

Vorwort

Liebe Kirchengemeinde,

„Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen….“

Das sind die Anfangsworte des 127. Psalmes, die als Motto für die Jubiläumsfeier gewählt worden sind und die die Evangelische Kirchengemeinde Komptendorf am 16. Juli 2000, anlässlich des 525. Jahrestages der Grundsteinlegung der Kirche, im Rahmen eines Gottesdienstes und Gemeindefestes begangen wurde. Ein gutes halbes Jahrtausend also ist es her, dass es in Komptendorf eine große mit vielen Sitzplätzen und Sehenswürdigkeiten aus dem Mittelalter ausgestattete Kirche gibt. Zu den größten Dorfkirchen im Land Brandenburg gehört sie. Sie ist also nicht zu übersehen, auch heute nicht.

Eingebettet in den Ort Komptendorf und in die südmärkische Landschaft kann sie ein Herannahender aus verschiedenen Richtungen von weitem her erkennen. Mit diesem eindrücklichen Sakralbau ist natürlich auch eine wechselvolle Geschichte verbunden.

Einzelheiten dieser Geschichte werden Sie in dieser Festschrift nachlesen können, die ein engagierter Redaktionskreis der Gemeinde verfasst hat und dem für die Herausgabe meine Anerkennung gilt (Auszüge finden Sie hier online zur Verfügung gestellt).

Durch die Zeugnisse dieser Jubiläumsschrift wird der Leser in die Dankbarkeit der Gemeinde hineingenommen, die an diesem Gedenktag zum Ausdruck gebracht wird. Dankbarkeit setzt ja die Kenntnis der Geschichte voraus. Und diese Kenntnis ihrerseits führt uns zu der Einsicht, dass nichts selbstverständlich ist.

So kann es auch nur als kirchengeschichtliches Geschenk angesehen werden, dass vor 526 Jahren der Grundstein für diese Kirche gelegt worden ist und dass in den vielen Jahren seither bis heute, sich Christen zu GOTTES Lob versammeln können.

So wünsche ich der Gemeinde in dieser Dankbarkeit für ihr Gotteshaus zu bleiben und in dem Glauben, der gegründet bleibt in Jesus Christus, unserm Herrn.

Helmut Huppatz, Pfarrer

Geschichte der Kirche

Die Entstehungsgeschichte der Komptendorfer Kirche hängt mit dem ehemaligen Cottbuser Franziskanerkloster zusammen. Es ist überliefert, daß der Abt des Klosters um das Jahr 1450 einigen Mönchen folgenden Auftrag erteilte:

Nachdem ihr bereits die Kirchengemeinden
in Madlow und Kahren gegründet habt,
marschiert ihr von dort weiter gen Süden
durch einen großen dichten Wald.
Vergeßt ja die Keulen nicht,
damit ihr euch die Wölfe vom Halse halten könnt.
Aber nach einigen Stunden wird der Wald lichter
und dann hört er bald ganz auf,
dann kommt ein Dorf – Komptendorf.

Die Grundsteinlegung für Kirchenschiff und Kirchturm wurde um das Jahr 1475 gelegt. Franziskanermönche erbauten sie dann bis zum Ende des 15. Jahrhundert aus Feldsteinen.
15 Jahre später, im Jahre 1490, wurde die Kirche geweiht. Etwa 100 Jahre später, um 1575, wurde sie um den Ostchor verlängert. Dessen viergeschossiger Backstein-Staffelgiebel ist durch Putzblenden reich gegliedert. Er bildet ein sehenswertes Zierwerk aus spätgotischer Zeit.

Der quadratische Turm entstand zusammen mit der Kirche, nur das obere Glockengeschoß mit dem Backstein-Zinnenkranz und dem gemauerten polygonen Spitzhelm stammt wohl erst aus der ersten Hälfte des 16. Jh. Die Fenster der Kirche wurden in der Barockzeit vergrößert. Die Kirche war bis in das Jahr 1560 eine Filialkirche der Kirchengemeinde Kahren.

Wenige Jahrzehnte nach der Reformation (1575) hat der damalige Kirchenpatron Günter von Kottwitz den Altar gestiftet. Er hat sich mit seiner Familie, vor dem Kreuz Christi knieend, auf der Predelle abmahlen lassen. Der unbekannt Künstler muß eine Ausbildung in der Wittenberger Schule Lucas Cranach des Älteren durchlaufen haben. Der Komptendorfer Altar ist damit nachweislich einer der ältesten evangelischen Altare im Land der Reformation.
Bedingt durch die Zunahme der Bevölkerungszahlen im ausgehenden Mittelalter mußte etwa 1640/50 eine Erweiterung der Kirche vorgenommen werden. Der abschließende Giebel ist einer der schönsten Renaissancegiebel in der Cottbuser Region.

Eine Besonderheit in der Kirche ist der Taufengel. Er soll um das Jahr 1665 von einem Laubsdorfer Gemeindemitglied gestiftet worden sein. Seine Funktion erfüllt der lebensgroße schwebende Taufengel, der eine Wasserschale hält, heute noch bei Tauffeiern.
Ebenfalls erwähnenswert ist, daß sich die hölzerne Kanzel aus dem Jahre 1698 in der Mitte des Kirchenschiffes befindet, also daß das Wort in der Mitte der Gemeinde verkündet wird.

Ein spitzbogiges gestuftes Portal führt in die Kirche. Im Inneren ist der Renaissance-Altaraufsatz aus Holz beachtenswert. Eine Inschrift datiert ihn in das Jahr 1575. Auf drei Gemälden, vermutlich durch die Cranachschule beeinflußt, sind übereinander das Abendmahl, die Auferstehung Christi und Gott Vater zu sehen. Sie sind von Verzierungen, Säulchen und vielen Engelsköpfen umgeben. Die Komptendorf Kirche ist eine der größten Dorfkirchen. Sie faßt ca. 1200 Sitzplätze.

1990 konnte der sehr stark beschädigte Kirchturm (am 20. Juli 1983 ist eine Zinne herabgestürzt) und im Jahre 1991 die gesamte Außenfassade restauriert werden. Im Haupteingang konnten in diesem Zusammenhang drei Rundfenster (Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Geist) und zwei Spitzbogenfenster (Heilige Abendmahl, Lebensbaum) in Bleiverglasung neu gestaltet werden.

Restauration der Kirche

Die Glocken im Turm einer Dorfkirche haben vielerlei Aufgaben. Sie künden von freudigen Ereignissen, von jungen Menschen, gerade erst geboren, der Taufe, von Hochzeiten, aber auch vom Tod eines Mitmenschen. Sie läuten zu sonntäglichen Gottesdiensten, zu kirchlichen Feiertagen und zu Höhenpunkten im gesellschaftlichen Leben, wie zum Jahreswechsel. Doch die Glocken im Turm der Komptendorfer Kirche taten es nicht immer. Im Jahre 1989 schwiegen sie schon knapp 2 Jahre. Was war passiert? Klaus-Dieter Nawrot war von 1981-1995 Pfarrer in Komptendorf In seine Amtszeit fielen aufwendige Restaurierungsarbeiten an Turm und Kirche. Uber die mannigfachen Widrigkeiten, mit denen er dabei zu kämpfen hatte, berichtet er im folgenden selbst.

Am 20. Juli 1983 löste sich die mittlere Zinne aus dem Mauerwerk der Westseite des Kirchturmes zu Komptendorf heraus und stürzte ab. Ein großes gähnendes Loch war zu sehen.

Schon am 21. Juli war ich mit dem damaligen Superintendenten des Kirchenkreises Cottbus, Manfred Koch, beim Rat des Kreises, um den Schaden zu melden und einen Bilanzierungsantrag (für Baukapazitäten- und Materialien) einzureichen. Wir gingen davon aus, dass es keine kurzfristige Hilfe geben würde. Die Beseitigung des Schadens wurde von Fachleuten auf 30.000 DDR-Mark geschätzt. Ende Juli ‘93 ging ich, ausgerüstet mit einer Brechstange, auf den Turm der Kirche, um die rechts und links nun freistehenden und bedenklich locker gewordenen Zinnen und loses Mauerwerk herauszubrechen. Ich wollte nicht riskieren, dass Personen durch herabstürzendes Mauerwerk geschädigt werden würden.

Trotz häufiger Anfragen beim Rat des Kreises musste der GKR mehr als zwei Jahre untätig sein. Durch die Witterungseinflüsse erhöhte sich der Schaden erheblich. Es wurde Kontakt zu Bergsteigern aufgenommen, um das Mauerwerk wenigstens durch ein Schutzdach provisorisch abzudecken. Da nur zwei Bergsteiger zur Verfügung standen, habe ich tatkräftig bei der Errichtung dieses Schutzdaches mitgeholfen. Nach Beendigung der Arbeiten wurde ich, sozusagen als Belohnung, zu meiner Freude an der Außenwand des Kirchturmes abgeseilt.

Während eines Gespräches beim Rat des Kreises, Abt. Inneres, wurde mir u.a. gesagt: „Sie haben doch eine reiche Partnergemeinde in der BRD. Wenn diese den Bau finanziert, dann würde es schon Lösungsmöglichkeiten geben.“ Ein solches Ansinnen habe ich kategorisch abgelehnt: „Solange ich Pfarrer in Komptendorf bin, wird es eine solche Lösung nicht geben, denn dann würde der Kirchengemeinde und den Verantwortlichen beim Rat des Kreises die Verantwortung für das Baudenkmal „Kirche Komptendorf’ abgenommen werden.

Wir möchten als Kirchengemeinde durch unsere finanziellen Mittel und Spenden von einzelnen Gemeindemitgliedern mit DDR-Mark unsere Kirche eigenverantwortlich finanzieren.“ Beim Durchblättern meiner Kalender von 1986 bis 1989 finden sich nicht weniger als 29 Gesprächstermine beim Rat des Kreises bzw. dem Kreisbauamt, meist jedoch ohne befriedigendes Ergebnis.

Ein wirkliches „Spitzengespräch“ auf Kreisebene gab es erst am 26. Mai 1988. Als Ergebnis dieses Gespräches wurde beschlossen, dass das in vielen Gemeinden dringend benötigte kreiskirchliche Baugerüst unserer Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt wird. Wir hofften, wenn die Kirche eingerüstet ist, wird der Rat des Kreises auch einen Baubetrieb und Baumaterialien zur Verfügung stellen.

Am 29. Juli 1988 haben die Gerüstbauarbeiten am Kirchturm begonnen. Es wurde sonnabends von 6 bis 18 Uhr und an den Werktagen von 16 bis 20 Uhr gearbeitet. Alle Arbeiten wurden im 2. AV (zweites Arbeitsverhältnis/Stundenlohn 20 DDR-Mark) durchgeführt. Sie kosteten der Kirchengemeinde etwa 10.000 DDR-Mark.

Am Mittwoch, den 10. August, wurde das Gerüst von der Staatlichen Bauaufsicht abgenommen. Da es in den folgenden Wochen keine Anzeichen einer Aktivität gab, habe ich für den 7. Oktober (Nationalfeiertag der DDR) eine öffentlichkeitswirksame Aktion meinerseits angekündigt. Ich wurde gebeten auf diese Aktion zu verzichten, denn nun würden sicher die von uns erwarteten Schritte eingeleitet.

Schon am 12. Oktober erhielt unser Architekt, Herr Kaltwang, von der staatlichen Bauaufsicht die Anordnung, dass das Gerüst nicht mehr betreten werden dürfte. Trotz baupolizeilicher Sperrung habe ich vor den Wintern ‘88 und’89 die etwa 1500 Kupplungen an der Rüstung mit Graphit winterfest gemacht.

Anfang Februar ‘89 kam es zu einem außerordentlichen Gespräch im Amtszimmer des Pfarrhauses Komptendorf Es nahmen teil: Dr.Pursche – Staatliche Bauaufsicht Bezirk Cottbus, Herr Schuster – Bezirksdenkmalpfleger, Herr Haugstein – Bezirksbauamt, Herr Tracksdorf – Kreisbaudirektor, Herr Fritsch – Rat des Kreises, Herr Hoffmann – Staatliche Bauaufsicht, Herr Kaltwang – Projektant, Oberbaurat Richter – Konsistorium, Kirchenältester Helmut Walter und ich.

Es wurde hart verhandelt und der Kirchengemeinde nicht durchführbare Auflagen erteilt (u.a. Abbau des losen Mauerwerks durch Hubschraubereinsatz). Kaltwang bot eine Alternativlösung an. Diese wurde als realisierbar angenommen.

Anfang März 1989 wurde dann am oberen Turmbereich eine Spezialverschalung angebracht, die „einzwängte“. Selbstverständlich mussten die Verschalung und die den gesamten Kirchturm Fachkräfte, die damit umgehen konnten, von der Kirchgemeinde, sprich Architekt und Pfarrer, organisiert werden.
Wenige Tage später wurde endlich ein Baubetrieb benannt, der die Instandsetzungsarbeiten durchführen sollte. Die Tätigkeit dieses Betriebes (2 Fachkräfte und ein Handlanger) begannen am 13. März. Es wurden im unteren Turmbereich Verfugungen vorgenommen und einige Feldsteine ausgewechselt.

Wegen Baumaterialien (Steine im Klosterformat) wurde häufig, aber immer ergebnislos, telefoniert. Einmal überraschte ich den Betriebsleiter, wie er während eines Telefonates im Amtszimmer sich an meinem Schreibtisch zu schaffen machte. Später stellte sich heraus, dass auch er IM der Staatssicherheit war.

Als kurz vor Ostern die erste Teilrechnung gestellt wurde, gab es zwischen dem Betriebsleiter und mir eine heftige Auseinandersetzung, weil nicht durchgeführte Leistungen bezahlt werden sollten. Nachdem etwa 14 Tage keine Bautätigkeit stattfand, bin ich in den Betrieb nach Kolkwitz gefahren. Hier wurde mir eröffnet, dass durch die Staatliche Bauaufsicht das Betreten des Gerüstes wieder untersagt worden ist. Diese Anordnung ging auf Initiative des Baubetriebes zurück. Die staatlichen Stellen schoben das Problem meiner Meinung nach wieder auf „die lange Bank“.

Aus heutiger Sicht bin ich davon überzeugt, dass am Kirchturm keine umfangreichen Sanierungsarbeiten durchgeführt werden sollten. Im Frühsommer haben wir aus der Notlage heraus Kontakt zu unserer Partnergemeinde Köln-Bayenthal aufgenommen, um sie nun doch in unsere Planung einzubeziehen und sie zu bitten, uns die benötigten Klosterformatsteine zu beschaffen und zu finanzieren.

Im September ‘89 kam es zu einem Treffen zwischen Pfarrer Siegfried Weiß, einem Vertreter des Konsistoriums, des Diakonischen Werkes und mir. Uns wurde die Beschaffung und Finanzierung der benötigten Steine zugesagt. Ein Satz ist mir bisheute in Erinnerung geblieben: „Herr Pfarrer Nawrot, welchen Farbton benötigen Sie für Ihre Kirche in Komptendort?“ Sechs Wochen später wurden die Steine in Komptendorf angeliefert.

Am 7. Oktober ‘89 realisierte ich die Ankündigung des Vorjahres. Ich habe 2 Sperrholzplatten (1,5 x 1 .5m) mit folgendem Text beschrieben: „Schaden seit 20. Juli 1983″ und „Wie lange noch?“.

Diese beiden Platten brachte ich in der 6. Etage der Rüstung an. Danach habe ich alle bis zur dieser Etage führenden Leitern aus dem Gerüst ausgebaut, damit die Platten nicht entfernt werden konnten.
Nach etwa 20 Minuten bekam ich Besuch vom ABV („Abschnittsbevollmächtigter“ = Polizist) und dem Bürgermeister. Unter Androhung von Strafe wurde ich aufgefordert, diese beiden Platten sofort zu entfernen. Dieser Aufforderung bin ich selbstverständlich nicht nachgekommen.

Es hat einige Telefongespräche gegeben. Gegen 21 Uhr rief mich der Leiter der Abteilung Inneres beim Rat der Kreises Cottbus an. Er sagte: „Herr Nawrot, Sie haben mit Ihrer Aktion erreicht, was Sie erreichen wollten. Die nötigen Stellen sind angewiesen, das Problem aus der Welt zu schaffen. Können Sie die Schilder vor dem morgigen Gottesdienst abnehmen?“ Ich habe ihm gesagt: „Wenn ich erreicht habe, was ich erreichen wollte, nämlich dass sehr bald etwas für unseren Kirchturm geschieht, dann muss ich nicht unnötig provozieren. Ich werde die Schilder vor dem Gottesdienst abnehmen.“

Am Sonntag, den 8. Oktober 1989 um 9.30 Uhr bin ich dann mit Kittel und Schutzhelm auf die Rüstung gestiegen, um die Schilder zu entfernen. Plötzlich hielt unten auf der Straße ein „Volvo“, besetzt mit 4 Personen, zwei in Zivil, zwei in Uniform. Einige Augenblicke zögerte ich, die Schilder abzumachen, denn ich war „sauer“ über diese Kontrolle. Aber ich hatte ja mein Wort gegeben. Ich entfernte die Schilder.

Im Gottesdienst um 10 Uhr hatten wir vier unbekannte Personen zu Gast. Natürlich ahnte die Gemeinde sofort, in wessen Auftrag sie am Gottesdienst teilnahmen. Ich begrüßte sie besonders. Teilweise haben sie sogar versucht, die Choräle mitzusingen. Am Schluss des Gottesdienstes habe ich mich ihnen noch einmal besonders zugewandt und deutlich gesagt, was ich von der Art und Weise der Mitarbeiter der Staatssicherheit vor dem Gottesdienst gehalten habe. Ich habe ihnen mit auf den Weg gegeben: „Bitte grüßen Sie Ihre Vorgesetzten und sagen Sie ihnen, wenn ich ein Versprechen gebe, dann halte ich es auch. Die Dienstzeit und das verfahrene Benzin von Cottbus nach Komptendorf und zurück hätte sinnvoller genutzt werden können.

Der Schluss ist schnell berichtet: Die Ereignisse des Herbstes ‘89 haben neue Voraussetzungen geschaffen. Im Frühjahr 1990 nahmen wir Kontakt zu der sich reprivatisierenden Forster Baufirma Mattig & Lindner auf. Sehr bald wurden die Verhandlungen konkret und es kam zum Abschluss eines Vertrages.

Im Herbst 1990 haben die Bauarbeiten am Kirchturm Komptendorf begonnen. Über 35 Kubikmeter Mauerwerk mußten abgetragen und neu aufgebaut werden. Es wurde ein Ringanker eingebaut. Die Schadstellen am Kirchturm wurden beseitigt, und er bekam eine völlig neue Außenhaut. Am 13. November 1990 wurde der Turm mit einer goldenen Kugel und einem goldenen Kreuz bekrönt. Die Kosten der Vergoldung trugen allein die Mitglieder des Gemeindekirchenrates (3.000 DM – wenige Wochen nach der Währungsumstellung).

Der Gesamtfinanzierungsumfang des Kirchturmes betrug etwa 400.000 DM. Neben etwa 100.000 DM Eigenmitteln wurden wir großzügig von der neuen Kreisverwaltung unterstützt. Am 24. Dezember läuteten, nach fast zweijährigem Schweigen, die Komptendorfer Kirchenglocken zum Christfest. Im Jahr 1992 wurde die Gesamtfassade mit ihrem wunderschönen Renaissance-Giebel saniert, und im Jahr 1995 wurde das gesamte Dach der Kirche neu eingedeckt (mit Biberschwänzen und Gauben). Somit ist die Komptendorfer Kirche äußerlich ein „Schmuckstück“ geworden.

Einen weiteren schönen Eindruck machen die sanierten Straßen und Wege um die Kirche herum. Die 60 m lange ebenfalls sanierte Stützmauer um die Kircheneinfriedung herum gibt das Zentrum des Ortes nun dem ganzen Dorf weithin eine sehenswerte Ausstrahlung. Im Vergleich zu vor 10 Jahren nicht wiederzuerkennen: Die Kirche ist wieder Mittelpunkt des Ortes.

Noch heute zählen zu dem Sprengel Komptendorf 10 Gemeinden, deren Kirchenmitglieder zum sonntäglichen Gottesdienst und Christenlehre kommen. Die 1200 Sitzplätze in der Kirche werden von der Konfirmation bis zum Erntefest und am Heiligabend genutzt.

Pfarrer Nawrot verabschiedete sich nach 14jähriger Amtszeit 1995 von seiner Gemeinde würdig und in bleibender Erinnerung. So trug er doch die Hauptinitiative zur Sanierung der Kirche – dem weithin sichtbaren Wahrzeichen des Dorfes!

Die Gemeinde bleibt ihm dankbar!

Baugeschichtliche Infos zur Kirche Komptendorf

Notizen zur Baugeschichte der Komptendorfer Kirche, zusammengestellt vom Gemeindemitglied Christian Grauer.

Die Kirche von Komptendorf ist ein zum Teil verputzter Feldsteinbau des 15./16. Jahrhunderts. Die Grundsteinlegung soll 1475 erfolgt sein. Dem unregelmäßigen Feldsteinmauerwerk sind Ziegelbrocken untergernischt. Das Langhaus mit Satteldach ist wahrscheinlich 1575 nach Osten erweitert worden, besonders an der Nordseite ist die Baufuge deutlich erkennbar, dort sind die Kanten des westlichen Teils aus Raseneisenstein.

Den östlichen Abschluss bildet ein reicher viergeschossiger Staffelgiebel über der zweimal leicht geknickten Mauer. Der Giebel stammt wahrscheinlich von 1575. Die Putzleisten an den Kanten und dem Traufgesims entstanden 1730 oder 1739. Die flachbogigen Fenster wurden barock verändert und 1818 vergrößert.
Seit 1999 wird die Verglasung durch die Firma Putzler aus Döbern erneuert. Im Jahre 1895 wurden die Backsteinvorhallen an der Südseite errichtet, die Fachwerk -.Vorgängerbauten ersetzten. An der Südseite befindet sich ein steinerner Aufbau mit Treppe zur Empore. An der Nordseite führte ein hölzerner Aufbau zur Empore.

Der eingezogene Westturm wurde wohl in der ersten Hälfte des 16. Jh. errichtet, wird auch aufgrund der Glockeninschrift der ältesten Glocke auf 1542 datiert. Zwei weitere Glocken kamen Mitte der 20er Jahre hinzu. Die Turmspitze wurde 1835 erneuert. Der Turm mit seinem Zinnenkranz aus Backstein und polygonalem Spitzhelm zeigt große Ähnlichkeit mit den Kirchtürmen in Kahren, Papitz, Werben und Lieberose.

Innen ist die Kirche verputzt. Zwischen dem Turm und dem Langhaus besteht keine Verbindung. In der Westwand des Langhauses soll sich ein vermauertes spitzbogiges Fenster befinden (von der Orgel verdeckt?), was für die spätere Errichtung des Turmes sprechen würde.

Die Decke, eine von innen verputzte flachbogige Holztonne, wurde 1730 „erneuert „, damals mit breiten Stuckrippen. Auch ihre Form wurde wohl deutlich verändert; darauf weist an der Westseite die breite Blende hin.

Der Renaissance-Altaraufsatz stammt wohl aus dem Jahre 1575. Das untere Bild zeigt den gekreuzigten Christus inmitten der Familie von Kottwitz aus Sergen und Neuhausen, die den Altar gestiftet hat. Die Inschrift lautet: „Allein Gott mein Hülff. Ihn Gottes Gewalt habe ichs gestaltt.“

Anno 1575 hatt der Edle Gestrenge und Ehrenveste Günter v. Kottwitz Auff Sergen und Neuhause Churfürst Brandenburg: „Rath es dise altar Gott zu Ehren und Der Kürchen zu wolgefallen mere Theils von dem seinen bauen und vorferttigen auch sich sambt seiner geliebtten Ehlichen Hausfrawe Elisabeth geborene von Roß undt ihrer baiderseide lieben Kinderlein hinauff Abmallen lassen.“

Der Altar ist wohl bereits aus der Zeit nach der Einführung der Reformation. An der Rückseite befindet sich folgende Inschrift: „EHRENFREIID BURSHERUS. PASTOR. 1698.“, die einerseits mit einer Wiederherstellung in Beziehung gesetzt wird, andererseits auch für das Jahr der Errichtung gehalten wurde. Der Taufengel ist eine Schenkung der Familie von Zabeltitz aus Sergen vom Jahre 1698. Die Kanzel an der Nordseite stammt aus dem Jahre 1698. Die Emporen sollen mit dem Bevölkerungswachstum im Zusammenhang mit der Industrialisierung notwendig geworden sein. Sie wurden wohl 1818 eingebaut.

1904 gab es eine Erneuerung des Kircheninneren, wobei die beiden Kronleuchter angebracht wurden. Die Orgel, die einen Vorgängerbau ersetzt, wurde am 12. August 1928 eingeweiht. Folgende Grabsteine sind vorhanden:

  • Grabstein des 1720 verstorbenen Sönleins des Erdmann v. List und seiner Gattin Eva geb. von Muschwitz (Südseite im Osten, der linke Stein).
  • Grabstein des Caspar Heinrich v. Trebendorf-Mattendorf Rittmeister (gest. 1697), der Oberteil Stein); ist leider abgebrochen, mit Monogramm „CHVK“ (Südseite im Osten, rechter Grabmahl des „Friedrich Christian Krathl, Kurfürstl. Major und Kriegskommissar des Markgrafenthums Niederlausitz, Erb-Lehns- und Gerichtsherr auf Gahry (gest. 1793), ein als Ruine gebildeter Steinobelisk (am Ostabschluss).
  • Grabstein des Ladislaus v. List, Erbherr auf Komptendorf Sandstein mit Darsteliung des Verstorbenen in Plattenrüstung, Ende des 17. Jh. (Südseite zwischen Emporenaufgang und östlicher Vorhalle).
  • Grabstein des Christian Friedrich Ohnesorge, gest. 1768, und seiner Gattin Sophia Elisabeth geb. Greiffenhagen (gest. 1788), Schriftplatte mit geschweiftem Rand auf einem Sockel (Südseite Westende).
  • Die Steine an der Nordseite sind leider nicht mehr lesbar.

Vielen Dank, Herr Grauer!

Pfarrer Saretz erzählt…

Der folgende Beitrag ist einem schriftlich niedergelegten Vortrag entnommen, den Ernst Saretz, Pfarrer in Komptendorf von 1923-34, am 24. Mai 1964 anläßlich des diamantenen Jubiläums der Frauenhilfe hier in Komptendorf gehalten hat.

Ein witziger Geschichtsschreiber erzählte mir:

Der Abt des Cottbuser Klosters gab einigen Mönchen eines Tages so um das Jahr 1450 den Befehl:

„Nachdem ihr bereits vor über 100 Jahren die Kirchengemeinden in Madlow und in Kahren gegründet habt, marschiert von dort aus weiter gen Süden durch einen großen und dichten Wald. Vergesst ja die Keule nicht, damit ihr euch die Wölfe vom Halse halten könnt! Aber nach einigen Stunden wird der Wald lichter, und dann hört er bald ganz auf, und passt auf, dann kommt ein Dorf“ Wie konnte dieses Dorf anders heißen als „Komptendorf’?!

Und das soll nach den Angaben in den dicken alten Geschichtsbüchern um das Jahr 1475 gewesen sein, als die Vorfahren unter Anleitung der Mönche hier die erste Kirche gebaut haben.

Einen eigenen Priester bekam Komptendorf noch nicht, sondern es blieb noch Filialkirche von Kahren. Aber seit 1569 ist Komptendorf eine selbstständige Pfarre. Dadurch wurde gewiss das Verantwortungsgefühl gestärkt, so dass das damals noch kleine Kirchengebäude nach Osten zu erweitert worden ist.

Bei dieser Gelegenheit hat der damalige Kirchenpatron von Kottwitz den neuen Altar gestiftet und sich mit seiner Familie vor dem Kreuz des Herrn Christus knieend darauf abmalen lassen, mit der noch heute gut leserlichen Jahreszahl 1575. Der neue Ostgiebel wurde mit schönen Verzierungen versehen.

Wenige Jahrzehnte vor dieser Vergrößerung der Kirche wird man auch mit dem Turmbau begonnen und diesen mit dem schönen Wehrkreuz und der hohen Spitze abgeschlossen haben. Und dabei wird man auch an den Guss der ersten Glocke herangegangen sein. Inzwischen aber war in unserer Heimat etwas Wichtiges passiert, nämlich die Reformation. Im Jahre 1536 hatte der Kurfürst Joachim die Einführung der neuen Lehre Dr. Martin Luthers erlaubt, so dass in Komptendorf der Übergang zum eyangelischen Glauben so um das Jahr 1542 erfolgt sein kann.

Und da die alte Glocke außer dieser Jahreszahl auch noch die ganz evangelisch anmutende Inschrift aufweist „Gotts Werk bleibt ewik stehn, sagt der Prophet Jesaja“ sollte man diese Glocke mit gutem Recht die Komptendorfer Reformationsglocke nennen. Die große Glocke trägt die Jahreszahl 1542.

Die zur Kirchengemeinde gehörenden 9 Dörfer (Roggosen war bis 1863 nach Madlow eingepfarrt) mögen damals noch sehr klein gewesen sein bzw. im 3Ojährigen Krieg durch die Pest und die mannigfachen Schreckendes langen Krieges wieder sehr klein geworden sein. So hat Kahsel nach diesem Kriege nur 11 Einwohner gehabt!

Aber am Sonntag waren eben alle Gemeindemitglieder in der Kirche, so dass der Anbau schon vor 400 Jahren für die ganze Gemeinde notwendig geworden war. Durch die mit der Industrialisierung überall anwachsende Zahl der Einwohner mussten später noch die beiden großen Emporen eingebaut werden, so dass die Kirche heute mehr als 1000 Plätze hat.
Dass die im Kirchenschiff gelegenen Sitzbänke durchweg auf die Kanzel ausgerichtet sind, ist ein typisch evangelisches Kennzeichen, denn durch die Reformation war anstelle des Altar-Kultus die Predigt in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gerückt.

Bis vor 100 Jahren wurden sämtliche Verstorbenen der eingepfarrten Dörfer auch auf dem rings um die Kirche gelegenen Friedhof in Komptendorf beigesetzt. Dadurch ist das Erdreich um das Gotteshaus herum angehoben worden, sodass man heute beim Eingang durch die Tür an der Nordseite auf 2 Stufen in die Kirche hinabsteigen muss.
Die Pfarrer wurden bekanntlich früher durch die eingehenden Pächte und Opfer sowie durch Naturalabgaben der Gemeindetnitglieder bezahlt. Noch zu Pfarrer Albins Zeit (1833 1884) war auch eine Flachsabgabe erforderlich. Diese meist nicht sehr großen Bündel wurden von den unten sitzenden Frauen an jedem Michaelis-Tage mit zum Gottesdienst gebracht und während des Singens der Choräle den Kirchenältesten in ihre um die Schultern gehängten weißen Tragetücher gelegt bzw. geworfen. Wenn nun aber an diesem Festtage mehrere Frauen an diesem Gottesdienstbesuch verhindert waren, dann mussten die Männer die Flachsabgabe mitnehmen, und diese saßen durchweg auf den Emporen. Da mussten dann die Ältesten ihre Tragetücher weit aufhalten, wenn die Bündel von den Emporen herniedersausten.

Das soll weder den Pfarrer noch die Gemeinde gestört haben. Es muss jedenfalls eine eigenartige Demonstration des Bibelspruches gewesen sein: „Alle gute Gabe kommt von obern herab….“ (Jakobus 1, Vers 17.)!!

Besondere Ereignisse während meiner Amtszeit in Komptendorf

(Quelle: Pfarrer Saretz)

Als ich im Jahre 1923 herkam, fand ich nur die aus dem Jahre 1542 stammende große Glocke vor. Ein Jahr später bestellt der Gemeindekirchenrat bei der Firma Stürmer in Erfurt 2 neue kleinere Glocken.

Trotzdem der Ton der alten Glocke aufgeteilt war, stimmten die neuen Glocken mit der alten nicht zusammen. Auf unsere Bitte hin untersuchte der Sachverständige für Kirchenglocken, Professor Biehle aus Bautzen, den Notstand mit einem besonderen Gerät und bestätigte die Berechtigung unseres Einspruches. Darauf mußte die Firma die Glocken noch einmal abholen und umgießen, und einige Zeit später hatten wir ein schönes harmonische Dreigeläut.

Wieder einmal war die große Kirche voll besetzt zum Fest der Glockenweihe. Beim „Heldengedenktag“ 1923 hatte ich zum ersten Mal das Gotteshaus im wahrsten Sinne des Wortes brechend voll besetzt erlebt. Sämtliche Krieger- und andere Vereine waren mit Fahnen und Musik zur Kirche gekommen, so dass die Männer auf der obersten Empore sogar in dichten Reihen saßen bzw. standen.

Als ich die Kirche betrat, blieb mir schier der Atem weg, und ich konnte nur still beten, dass Gott, der Herr, uns vor einem schrecklichen Unglück bewahren möchte! Aber die Emporen hielten, und der Gottesdienst verlief trotz Überfülle in überraschender Würde und Stille.

Bei den mannigfachen späteren Feierlichkeiten hatte ich mich an solche beängstigende Fülle gewöhnt. Zwei Jahre später wurde beim Gefallenen- Gedenktag das erste farbige Kirchenfenster im Altarraum eingeweiht, und bald darauf stiftete der alte Kantor Skraback das zweite bunte Fenster. In dieser Zeit erhielt die Kirche auch die elektrische Beleuchtung.

Da das breite Gemälde über der Predella des Altars, das wahrscheinlich durch Kerzenruß und Staub in 350 Jahren fast schwan und unkenntlich geworden war, hat der Restaurator Wilhelm Krükger aus Berlin, der zufällig die Kirche besichtigte, großartig restauriert, so dass die leuchtenden Farben wieder herrlich hervorkamen mit der Inschrift des Stifters von Kottwitz und der Jahreszahl 1575.

Die aus dem Jahre 1811 stammende alte Orgel hatte wirklich ausgedient. Wenn Kantor Skraback die schadhaften Register zog, musste er dazu seine ganze Kraft aufwenden, so dass es durch die Kirche wie Böllerschüsse dröhnte.

Der Kostenanschlag der Firma Heinze-Sorau verlangte aber 11 000 Mark für eine neue Orgel. Dieser große Betrag kam wirklich zusammen; ca. 3000.- Reichsmark erbrachte eine Sammlung in den 10 Dörfern, den gleichen Betrag bezahlten nach langen Verhandlungen die fünf Kirchenpatrone. 2000.- Reichsmark kamen aus der Kirchkasse und den Rest spendete das Konsistorium.

Bei der damals doch schon sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage nut ininier beängstigerem Steigen der Arbeitslosenziffer war diese Finanzierung der neuen Orgel ein wahres Wunder. Bei dem Einweihungsgottesdienst am 12. August 1928 war die Kirche wieder bis auf den letzten Platz besetzt, und Kantor Willi Schreiber aus Cottbus spielte zum ersten Mal die neue Orgel.Ich habe den Choral „Nun danket alle Gott“ bis dahin noch niemals so gewaltig mit der vielstimmigen Orgel, den Posaunen aus Hornow und der dankbar jubelnden Gemeinde erklingen gehört! Bei der Kirchenmusik am selben Nachmittag beteiligte sich der gemischte Chor Komptendorf der Männergesangverein Trebendorf der Chor des evangelischen Jungmädchenbundes und der Chor der Lehrerarbeitsgemeinschaft neben einigen Solisten. Das war ein ganz großer Festtag!

Um 1930 wurde im Pfarrhaus eine elektrische Wasserversorgung mit Badezimmer eingerichtet. Und nach glücklicherweise kaltem Blitzschlag in den Turm wurde die Kirche mit einer Blitzschutzanlage versehen. Schon seit langer Zeit machte sich das Fehlen eines größeren Gemeinderaumes für Unterricht und kirchliche Veranstaltungen schmerzlich bemerkbar. Deshalb beschloß der GKR, die leerstehende Pfarrscheune zu einem Gemeindesaal umzubauen.

Am 13. März 1932 ist im Sonntagsblatt ein Aufruf veröffentlicht, in dem Handwerker und arbeitslose Jugendliche zur Ausführung dieses großen Bauvorhabens ermuntert wurden. Zur allgemeinen Freude gingen zahlreiche Meldungen ein. Eine Sammlung ergab in dieser Zeit höchster wirtschaftlicher Depression rund 1000.- Reichsmark. Den gleichen Berag wollte das Konsistorium als Beihilfe geben. Das Arbeitsamt erklärte sich bereit, für jeden arbeitslosen Jugendlichen täglich 2 Mark zu zahlen (!) und die Sozialversicherung zu übernehmen.

Am 3. Juli 1932 hat Superintendent Cordes aus Cottbus den praktisch ausgestatteten Gemeindesaal eingeweiht. Am Nachmittag fand eine fröhliche Nachfeier im Gutspark statt, an der sich mehrere Gesangvereine und der Hornower Posaunenchor beteiligten. Nun hatte die Gemeinde einen ausreichend großen Saal für die Abhaltung der Wintergottesdienste im geheizten Raum.

Auch konnten die jährlich 60-70 Konfirmanden auf den bequemen Bänken des für Unterrichtszwecke abgetrennten Raumes besser sitzen als in den engen Schulbänken. Auch die sonstigen kirchlichen Veranstaltungen fanden hier in einer weit günstigeren Atmosphäre statt. Bis zum heutigen Tage ist der Gemeindesaal für das kirchliche Leben unentbehrlich, sodass ich nur mit großer Dankbarkeit an die Planung und Ausführung dieses Projektes denken kann.

(Näheres über den Bau des Gemeindesaals ist aus den Sonntagsblättern des Jahrganges 1934 zu ersehen.)

Von Pfarrern und Kirchenmitgliedern

(Quelle: Pfarrer Saretz)

Pfarrer Albin war 41 Jahre lang (1843 – 1884) in Komptendort während in den nächsten 50 Jahren 7 Pfarrer zum Teil sehr kurz aufeinander folgten. Das mag damit zu erklären sein, dass die Seelenzahl der Kirchengemeinde inzwischen durch das Anwachsen der Industriewerke auf ca. 3000 gestiegen war.

Das Pfarramt war wirklich nicht leicht zu verwalten wegen der weiten Entfernungen und weil inzwischen jedes Dorf einen eigenen Friedhof hatte. Außerdem mag ins Gewicht gefallen sein, dass die Pfarre nur 12 Morgen Land hatte. Pfarrer Albin wurde vom Komptendorfer Gut in einer geschlossenen Kutsche auf die Dörfer gebracht.

Da er die lange Tabakspfeife sehr liebte, pflegte er auch unterwegs gern zu rauchen. Wenn er dann nach langer Wagenfahrt vor dem Trauerhause ankam und die Tür aufmachte, kam zuerst nichts als Rauch aus der Kutsche heraus und dann erst allmählich der Pfarrer! In den späteren Jahren nahm Kantor Skraback den Pfarrer in seinem Korbwagen mit. Sein scheckiges Pferd hieß Benjamin und liebte ein gemütliches Tempo.
Wenn es im Sommer sehr heiß war, blieb Benjamin von selbst vor dem Gasthaus stehen und bekam dafür eine Flasche Bier in einer Schüssel serviert! Dieser stets hilfsbereite und treue Kantor hat in den ersten Jahren auch mich mit seinem Wagen auf die Dörfer gebracht.

Am Schluß jeder Beerdigung pflegte er sein Lieblingslied ‚Ach, Herr, laß Dein lieb Engelein……“ mit sehr hohem Tenor singen zu lassen. Im Gottesdienst sang er von jedem Lied die erste Zeile solo.
Ich gedenke seiner in großer Dankbarkeit (gest. 11.3.1932, 80 Jahre alt).

  • Zur Zeit des Pfarrers Kockott (1890 – 1903) wurde das jetzige Pfarrhaus gebaut an Stelle des alten Fachwerkbaus.
  • Pfarrer Dr. Bronisch (1903 1907) hat die Frauenhilfe gegründet und in der Gemeinde mit sehr großem Eifer gewirkt.
  • Pfarrer Boese (1908 – 1915) war ein warmherziger Seelsorger und starb zum Leidwesen der großen Gemeinde ganz plötzlich.

Auch der alte treue Küster Matthes Vatter hat 50 Jahre lang seiner Heimatkirche gedient. Vor jeder Abendmahlsfeier sagte er- „Sind auch genug 0.-Blätter vorhanden?“ Er hatte wohl bei manchen Gelegenheiten es peinlich empfunden, wenn Oblaten fehlten. Das konnte freilich passieren, denn bei den großen Abendmahlsfeiern in der Passionszeit und am Bußtag-Totensonntag pflegten jedesmal 500-600 Abendmahlsgäste zu kommen. Dazu mussten die vielen Krankenkommunionen in den 10 Dörfern besorgt werden.

Kein Wunder, dass ich schon nach dreimonatigem Dienst ernstlich erkrankte und über drei Monate aussetzen mußte. Als ich wegen meiner lahmen Hüfte bat, man möchte mich zu den weiten Beerdigungen mit einem Wagen abholen, schrieb mir ein anonymer Spaßvogel: „Der Herr Jesus ist immer zu Fuß gegangen auf seinen weiten Wegen und nur bei seinem Einzug in Jerusalem auf einem Esel geritten.“

Ich sollte mich doch auch so in dieser Welt behelfen! Da habe ich dankbar die Beihilfe des Kons storiums zur Anschaffung eines kleinen Autos angenommen.

Der Kirchenchor von Komptendorf

Einen Einblick in das Gemeindeleben kurz nach dem Kriege gibt uns Frau Gerda Hantke.
Als ehemaliges Kirchenchormitglied des Kirchenchores in Komptendorf berichtet sie über das Wirken des Chores, aber auch über die Schwierigkeiten jener Zeit.
Gründung und Zeitgeschehen im Chorleben.

Pfarrer Hudewenz gründete 1946/47 den Kirchenchor. Es fanden sich zahlreiche Ältere und Jüngere zum Chorgesang. Sie kamen aus fast allen Gemeinden des Kirchspiels, so aus Roggosen, Sergen, Gablenz, Trebendorf, Mattendorf, Komptendorf, Drieschnitz.

Das Interesse an kultureller Betätigung, am gemeinsamen Singen war in dieser Zeit groß. Es zeigte sich neben selbstlosen Einsätzen darin, dass Chormitglieder aus Gablenz zu Fuß nach Komptendorf kamen, andere mit alten, hartgummibereiften Fahrrädern. Pfarrer Hudewenz war bis 1953 als Pfarrer im Kirchspiel Komptendorf tätig.

Hier endete auch sein Wirken als Chorleiter im Kirchenchor Komptendorf. Kantor Schoerner arrangierte sich mit seinem musikalischen Wissen und Können für den Chor. Aus Altersgründen war ein Ende seines Wirkens im Chor gesetzt. Danach übernahm Pfarrer Koch den Chor und leitete ihn noch einige Zeit.

Wege zum Notenmaterial

Die Voraussetzung eines jeden Chorgesanges ist das Notenmaterial. Es zu beschaffen war in diesen ersten Jahren des Chores nicht einfach und sollte deshalb auch Erwähnung finden. Anfangs waren keine Notenblätter vorhanden. Aus sehr alten, mit kirchlichen Aufzeichnungen einseitig versehenem Papier wurden die Notenblätter hergerichtet, indem dieses Papier zunächst mit Notenlinien in Handarbeit versehen werden musste. Erst dann begann das Schreiben der vierstimmigen Notensätze, ausgeführt von Pfarrer Hudewenz.

Gestaltung der Chorstunden

Die Chorstunden wurden einmal wöchentlich durchgeführt. Sie fanden im Pfarrhaus statt und später (1947) im Kirchsaal Komptendorf. Hier erfolgte der Schulunterricht der Klassen 1-8 mit 70 bis 80 Schülern. Die Schule, erst vor dem Krieg erbaut, war durch die Kriegseinwirkungen zerstört worden.

Später wurde das Gutshaus zur Schule umfunktioniert und der Kirchsaal stand wieder kirchlichen Belangen zur Verfügung. Zuvor wurden im Gutshaus Vertriebene aus Ostpreussen und Schlesien untergebracht, bis sie mit Zuteilung von Ackerland ein eigene Wirtschaften aufbauen konnten, bzw. mussten.

Die Chorstunden begannen in den Sommermonaten um 21 Uhr, da ein Grossteil der Leute in der Landwirtschaft beschäftigt war und der Arbeitstag lang war. Trotzalledem wurden die Chorstunden regelmäßig besucht.
Bei den meisten Mitgliedern des Chores waren wenig Notenkenntntsse vorhanden . Pfarrer Hudewenz verstand es mit viel Geduld, Beharrlichkeit, aufgelockerter Stundengestaltung, Humor und Optimismus eine feste Chorgemeinschaft zu schaffen. Mit viel Fleiß umfasste schliesslich das Chorgut mindestens 80 Beiträge.

Aufgaben des Chores und deren Verwirklichung

Ganz oben stand der Wunsch und die Freude, sich gesanglich betätigen zu können. Jeder der Chormitglieder erlebte in dieser nicht allzu leichten Zeit, dass sich durch das gemeinsame Tun, dem Gesang, das Lernen, auch für andere da zu sein, ein Stück Lebensqualität, Freude und Zuversicht, das eigene Leben bereicherte.

Dazu gehörten auch gemeinsame Feste, u. a. Adventsabende mit viel Besinnlichkeit und Gemeinschaftsgefühl. Auch einige Ausflüge, so nach Bad Muskau und Kromlau und andere Parks wurden unternommen. Für die Fahrten stand ein etwas klappriger LKW mit rauhen Holzbänken versehen, von der erst errichteten MAS (Maschinenausleihstation für die Landwirtschaft) in Laubsdorf zur Verfügung.

Zu den gegebenen Höhepunkten im Kirchenjahr wurde kirchliches Liedgut eingeübt und der 5 Kirchengemeinden vorwiegend in Gottesdiensten in der Kirche dargebracht, zur Erbauung, zum Wiedergewinn und Stärkung von Gottvertrauen und Lebenskraft. Aber auch an den Totensonntagen wurde neben dem Chorgesang in der Kirche am Nachmittag auf mehreren Friedhöfen vieler Orte ein kleines Programm dargeboten. Denn viele der Friedhofsbesucher hatten den Verlust eines oder mehrerer im Krieg gefallener oder noch vermissten Angehörigen zu beklagen. Waren es doch die Ehemänner, Väter und Söhne, die nicht zu schliessende Lücken in die Familien gerissen hatten.

Eine grosse Aufgabe des Chores war es auch, Volksliedgut zu erarbeiten und zu pflegen. Es trug natürlich dazu bei, die Freude an den Chorstunden zu erhöhen. Auch andere einstudierte Gesänge hatten dabei in hohem Maße ihren Anteil. Unvergessen ist das Lied: „Leise, leise, fromme Weise….“ von C. M. von Weber mit einem Sologesang von Frl. Slue mit ihrer wunderbaren Sophranstimme’ In diesen Aufgabenteil des Chores gehörten auch einige musikalische Nachmittage im Saal in Komptendorf und Trebendorf.

Weiterhin bedachte der Chor die eigenen Höhepunkte im Leben der Chormitglieder. So wurde bei Hochzeiten durch den Gesang viel Freude verbreitet. Dabei konnte natürlich die Hochzeitsgesellschaft voran das Brautpaar besonders von den weiblichen Chormitgliedern gebührend bewundert werden. Geburtstage waren ebenfalls besondere Höhepunkte im Chorleben. Dem Geburtstagskind wurde ein von ihm sehr sorgfältig ausgewähltes Lied zu Gehör gebracht.

Natürlich war bei der Liedauswahl die Gemütslage, die Sentimentalität auch die Jahreszeiten und die Beliebtheit des Liedgutes bestimmend. Zu den häufig gern gewünschten Liedern im Frühling gehörte u. a.: „Nun fangen die Weiden zu blühen an….“. Die Partitur und der Text stammen von Herrn Kiefel (Vater des langjährigen Laubsdorfer Schuldirektors, Herrn G. Kiefel/Neuhausen). Weitere Lieder: „Wohin mit der Freud…“ „Es scheinen die Sternlein so hell….“ „Das Lieben bringt groß’ Freud….“ Eine wunderbare, unvergessene, freundliche Stimmung, auch wenn ein Umtrunk dabei nicht möglich war und so gar nicht vermisst wurde.
Die schönen Abendlieder sollen hier auch noch erwähnt werden. Waren sie doch eine sehr gern angenommene Bereicherung für jeden. So verbreiteten sie, meist am Ende der Chorstunden gesungen, eine fast unbeschreibbare Ruhe und Wärme ausströmende Atmosphäre.

Als Beispiele seien genannt: „Schon die Abendglocken klangen….“ „Abend wird es wieder……“ „Oh Abendklang“. Beliebt war bei allen auch das Kanonsingen, vom Chorleiter gern zum Einsingen und etwas Stimmbildung verwendet. Es sei an den Sängerspruch gedacht: „Wo man einkehrt und ein Lied singt, da ist es herrlich, herrlich auf dieser Welt.“ an den Kanon: „Gib’ uns Frieden… „Dona nobis pacem“.

Ich habe versucht aus meiner Sicht das Wirken des Kirchenchores mit ihren Chorleitern innerhalb der Zeit und der Lebensumstände darzustellen. Es sollten auch Aussagen zum Denken, Fühlen, Handeln der Menschen in der damaligen Zeit sein.

Und dass die Menschen aus einem heute sehr schwer vorstellbaren Lebenstief wieder zur Sonne, zum Überwinden von Trauer und Leid zu einem besseren Leben finden konnten. Wie wurde es geschafft? Mit Gottvertrauen, im Miteinander mit anderen Menschen mit einem unbändigen Willen zum Leben, zum Leben für die Kinder, für die Familie, die Stärke in der eigenen Kraft zusehen, im Anpacken und Überwinden von schier unüberwindbaren Schwierigkeiten. Mit sehr viel Fleiß und neuer Zuversicht.

Ich wende mich mit meinen Anmerkungen besonders an junge Menschen. Es würde mich sehr freuen, wenn sie sich für das vorliegend geschilderte „Damals“ interessieren würden. Ist doch hier über einen Lebensabschnitt ihrer Groß- und Urgroßeltern berichtet worden, der letzlich ja auch Einfluss auf das Heute, auf das heutige Leben in den Familien hat.

Muss man nicht einfach Hochachtung vor dem Lebensmut und der Lebenskraft dieser Menschen haben? Fragt doch einfach Eure Groß-und Urgroßeltern nach ihren Lebenswegen und Erfahrungen. Es gibt viele Fragen zu allen Lebensbelangen, auf die Ihr nur so lange sie leben Antworten erhalten könnt. Es gibt viele junge Menschen, die sich musikalisch betätigen. Es ist eine feine Sache. Sie finden Zeit dazu, neben der Disko, neben anderen jugendlichen Freuden. Und Ihr, welche musikalische Neigungen und Fähigkeiten habt, ihnen noch nicht nachgeht, findet Möglichkeiten zur Ausübung, egal ob mit Musikinstrument oder dem Instrument „Stimme“.

Eine Zeit mit musikalischen Aktivitäten, besonders in einer Gemeinschaft, ist niemals eine verlorene Zeit!

Ich wünsche Euch alles Gute!

Gerda Hantke

2 Antworten zu „Kirche“

  1. Jürgen Thieme sagt:

    Es ist beeindruckend was man hier über Ihre Kirche lesen kann !
    Meine Erfahrungen sind leider etwas negativ: Vorfahren von mir haben in Komptendorf gelebt, in diesem Zusammenhang versuche ich seit März vergeblich einen Kontakt zu Ihrer Kirche herzustellen. Entsprechende Briefe werden nicht beantwortet. Schade !
    Herzliche Grüße aus der Oberlausitz
    Jürgen Thieme

  2. J. Gottwald sagt:

    Guten Tag!

    Ich habe mir vor einiger Zeit Ihre schöne Kirche angesehen und möchte Ihnen jetzt auch noch zu dieser gelungenen Seite gratulieren!

    Die Suche meiner Vorfahren führte mich nach Komptendorf und ich habe gehofft, dass sich jemand an die Familie Bogan erinnern kann aber war bisher erfolglos. Vielleicht erinnert sich ja doch noch jemand aus Ihrer Gemeine an diesen Familiennamen. Am 01.03.1857 wurde hier eine Anna Bogan geboren.

    Mit freundlichen Grüßen
    J. Gottwald

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